Europas Zentren unter Feuer!


Was für ein Paradox: während die Herren des Eurozentrismus Pläne schmieden und unendlich diskutieren, unter welchen Bedingungen Europas Burgmauern sicherer gemacht werden können, inwieweit Europas neoliberaler Kurs mit freier Kapitalzirkulation und Billigmalochern an welchen Grenzen enden sollen, und versuchen ihren Raubzügen ein humanistisches Mäntelchen in Form eines Verfassungsvertrags zu geben, rebellieren in den vom System schon Ende der Fünfziger Jahren geschaffenen Armenvierteln eingepferchten Menschen zweiter und dritter Klasse. Zumeist Kinder von Einwanderern, die das System für den Aufbau der eigenen Wohlstandsgesellschaft versklavt, ausgebeutet und entleert zur Seite geschmissen hatte, proben den Aufstand der Entsklavung. Sie machen zumindest auf sich und ihr jahrzehntelanges Elend aufmerksam, unter dem sie wie ihre Eltern leiden.

Wenn man aus den Mäulern von Möchtegern-Hintergrundanalytikern als Grund dieser Rebellion, Arbeitslosigkeit, Schmarotzertum, Drogenhandel oder Islamistisches Fanatikertum hört und als Lösung des Problems empfohlen wird, einerseits auf die Wünsche und Beschwerden dieser Jugendlichen einzugehen, aber anderseits diesen kriminellen Schmutz durch Hochdruckreiniger von der Straße zu wischen, gehen Heuchelei und der kalte Atem des totalitären Staates ineinander. Durch gleichgeschaltete Medien wird dies umso mehr propagiert, so daß auch die sogenannten einfachen Bürger angeblich nach der starken Hand eines schützenden Staates rufen würden. Man müsse ja sein Eigentum und sein wertvolles Leben vor diesem Schund schützen.


Wer Wind sät, erntet Sturm, sagt ein weises Sprichwort. Perspektivlosigkeit in allen Bereichen des Lebens, wenn man bedenkt, daß die Väter und Mütter dieser alleingelassenen und vernachlässigten Jugend unter schwersten Bedingungen ausgebeutet und ausgemerzt wurden, und der heutigen Generation nicht mal diese Möglichkeit gegeben wird, sie in Betonblöcke eingepfercht ohne Chancengleichheit, ohne Zukunftperspektiven, unter menschenunwürdigen Verhältnissen als Abschaum bezeichnet, die es gilt aus der sogenannten zivilisierten Welt reinzuwaschen, übersieht daß die Wurzel des Übels bei denjenigen liegt, die den Wohlstand auf Kosten dieser ausgebeuteten Menschen erlebten, während diese in Armut, Elend und Kummer dahinvegetierten. Nun fühlen sich die Wohlhabenden bedroht, um ihren Wohlstand, Privateigentum und ihre „zivilisierte Welt“. Der Ruf nach einem starken und schützenden Staat ertönt. Polizei und mit Sondervollmachten ausgestattete Sicherheitskräfte sollen die Bedrohung im Keime ersticken, auch wenn sie dafür Notstandsgesetze, Ausnahmezustand, Ausgehverbot, Durchsuchungen und Festnahmen sowie Untersuchungshaft ohne rechtlichen Beistand für drei Wochen u. ä. in Anspruch nehmen.


Während man noch vor einiger Zeit erfolgreich mit Militärgewalt zu verhindern wußte an den Grenzen der Herkunftsländern dieser nun zur Plage gewordenen Einwanderer zu den gelobten Ländern der Europäischen Union als sogenannte illegale Einwanderung von Afrikanern und Asiaten über die Stacheldrahtzäun einzudringen, und diese Bösewichte zurück in die Wüste geschickt wurden, stellen die Herren nun plötzlich fest, daß sie innerhalb ihrer Burgmauern und Stacheldrahtzäune schon unterwandert sind und Bösewichte und Abschaum sie in ihren Zentren bedrohen. Die böse Überraschung ist maßlos, es geht um die eigene Existenz und den Schutz des heiligen Privateigentums. Also ist jedes Mittel erlaubt, um die eigene Verteidigung des Habens vor diesen Heuschrecken zu schützen.

So sehen die Regeln des aktuellen Raubritterkapitalismus im Inneren aus, man sollte den Herren keine Angst machen, wenn man nach ihrer Art zu argumentieren sie daran erinnern wollte, daß nun mehr als 18 Millionen Afrikaner unterwegs sind, um nach Europa zu gelangen, um an dem so heiligen Wohlstandsleben teilzuhaben, oder doch??

Ali San (12.12.2005)



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