Lehren aus den Auseinandersetzungen um die TDK


Der Ausgang der Auseinandersetzungen zwischen Belegschaft und Direktion über die damals geplanten und mittlerweile in die Tat umgesetzten Entlassungen beim japanischen Multi TDK bedeuten eine bittere Niederlage für die Luxemburger Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. In der Tat hat sich die Firmenleitung im Interesse des Monopolkapitals auf der ganzen Linie durchsetzen können, die einstige gemeinsame Gewerkschaftsfront bei TDK wurde gespalten und gesprengt, zum Streik kam es nicht: jetzt haben die Kollegen bei TDK die Zeche wie gehabt zahlen müssen.

Für die Linke und die klassenkämpferischen Kräfte gilt es nun, die Lehren und Konsequenzen aus dieser sicherlich nachhaltig wirkenden katastrophalen Niederlage zu ziehen: diese Lehren sind bitter, sie zeigen nämlich die wirkliche Lage der Arbeiterklasse und ihrer Gewerkschafts- wie politischen Bewegung in grellem Licht auf.


Diese Niederlage ist sicherlich in erster Hinsicht eine logische Folge des sogenannten Luxemburger Modells «Sozialpartnerschaft» – des permanenten Burgfriedens zwischen der Arbeiterklasse, den Lohnabhängigen einerseits und der Bourgeoisklasse und dem Kapital andererseits. Dieses Luxemburger Modell hat dazu geführt, daß die Arbeiter und Lohnabhängigen hierzulande über keinerlei Kampferfahrung mehr verfügen, ja daß jeder Funke von Kampfwillen ihnen von den Gewerkschaftsapparaten ausgetrieben wurde. Die Luxemburger Gewerkschaften sind längst keine Kampforganisationen der Ausgebeuteten mehr, sondern nur mehr Verhandlungsmaschinen, die nicht auf kämpferische Auseindersetzungen und den Klassenkampf setzen, sondern einzig und allein auf Verhandlungen und Mauscheleien mit den Kapitalvertretern. In Zeiten kapitalistischer Hochkonjunktur schien dies zu funktionieren – zumindest für einen Teil der Lohnabhängigen –, setzt jedoch die zyklische Krise ein, kann das Luxemburger Modell nur zu katastrophalen Niederlagen der Lohnabhängigen und der Arbeiterklasse führen, die als Folge eine drastische Verwohlfeilerung der Ware Arbeitskraft, merkbare Verschlechterungen der Arbeits- und Lebensbedingungen und letztendlich eine Verelendung immer größerer Teile der Lohnabhängigen nach sich ziehen. Das Luxemburger Modell schützt keinen einzigen Lohnabhängigen, wenn die Kapitalisten sich gezwungen sehen mit harten Bandagen ihre ökonomischen Interessen im Klassenkampf durchzusetzen – im Gegenteil. Die Niederlage bei TDK ist ein frappantes Beispiel für die wirklichen Folgen des Luxemburger Modells und es wird nicht das letzte sein, wird das Steuer nicht herumgerissen.


Folge des Luxemburger Modells war zudem die Herausbildung einer auch zahlenmäßig starken Arbeiteraristokratie und damit verbunden einer Ideologie, die wähnte ohne klassenkämpferische Auseinandersetzungen mehr für die Lohnabhängigen erreichen zu können, ja die Interessen der Lohnabhängigen mit jenen des Klassenfeindes in Einklang bringen zu können. Diese Ideologie hat die Arbeiterklasse ideologisch und politisch entwaffnet und bei harten Angriffen seitens des Kapitals nahezu hilflos gemacht, wie das Beispiel TDK zudem deutlich zeigt. Da die Mehrheit der Luxemburger Arbeiterklasse und der Lohnabhängigen dieser Ideologie verhaftet ist, haben es selbstverständlich die Führungen der Gewerkschaftsapparate leicht, sich auch weiterhin für diesen defaitistischen Kurs eine hegemoniale Basisunterstützung zu sichern.


Die Niederlage bei TDK ist ein Indiz dafür, wie schwach, weil vom bürgerlichen und kleinbürgerlichen Gift infiziert und gelähmt, in Wirklichkeit die Luxemburger Arbeiterklasse, die Lohnabhängigen und ihre Gewerkschaften dank des Luxemburger Modells in Theorie und Praxis sind.

Dieses Modell mit allen Kräften zu bekämpfen und kämpferische Alternativen aufzuzeigen, die belegen, daß nur der Kampf – und vor allem der Streik - sich bezahlt macht, auch und vor allem in Betrieb und Gewerkschaft, das ist eine der vorrangigen Aufgaben einer wirklichen Kommunistischen Partei. Wer denn, wenn nicht die Kommunisten, kann den Kollegen Vorschläge unterbreiten, die die Lohnarbeiter aus der Opferrolle herausbringt und sie zu aktiven Teilnehmern am Klassenkampf macht.


Leider haben die Interventionen der KPL jedoch gezeigt, daß die derzeitige Führung nicht in der Lage ist, dieser Aufgabe nachzukommen. Im Gegenteil: die KPL hängt sich an die Gewerkschaftsapparate, hängt deren abwiegelnden Forderungen und Methoden an, ohne es zu wagen, den sozialdemokratischen Führungen zu widersprechen. So macht sich die Parteiführung der KPL mitschuldig an den Niederlagen der Abwiegelungstaktik im Geiste des Luxemburger Modells.


Die schwachen linken und vor allem marxistisch-leninistischen Kräften haben also große ideologische, politische, propagandistische und agitatorische Aufgaben vor sich, um das Steuer herumzureißen und den Lehren aus der TDK-Niederlage Konsequenzen folgen zu lassen.

Robert Medernach, 16.4.2005



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